paragleiten - wintersaison 2001/2002

Hier einige Bildberichte zu den Ausflügen auf die Hoess, zum Stubai-Cup 2002, Schöckl, Hauser Kaibling, Bäck-Revival, Riesneralm/Erlsberg und Hausberg Gampersberger (unbedingt reinziehen!).

Auf Vorschau-Bild klicken, um die Aufnahmen in voller Pracht zu geniessen.
Die Panorama-Bilder haben eine höhere Auflösung, um wenigstens einen halbwegsen Eindruck vom Erleben der Vogelperspektive zu erlangen - Größe bis zu 120 kB!

Hoess 06.01.2002:

Ich dachte mir vor dieser Saison nicht, dass ich jemals in der kalten Jahreszeit auch nur einen Flug machen würde, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...

Kerschi lotste Hans und mich den Berg hoch und wollte auch gleich zum Gipfel raufmarschieren. Ich hatte meine frisch gekaufte Hofer-Digicam im Fluggepäck, womit alle folgenden Bilder entstanden sind.

Dies redeten wir dem Flieger-As aber erfolgreich aus...

...und so starteten wir neben dem Lift Richtung Nordost.

Dick eingemummt konnte uns der kühle Bergwind nichts anhaben. Wir warteten noch einige Zeit, da Kerschi aufgrund der durchkommenden Sonneneinstrahlung auf noch mehr Wind vom Tal hoffte.

Dabei sahen wir einen Altbekannten Flieger aus dem südlichen Oberösterreich - "der Herr Magistratsbeamte"!

Man erkent ihn an folgenden Merkmalen:
1.) Drängt sich immer am Startplatz vor - auf wenn man praktisch schon startkar ist.
2.) Unkonventionelle Kleidung: Hemd, Bügelhose und ggf. Herbstjacke
3.) Seinen gelben Nova-Schirm und seine "stehende Sitzhaltung" im Gurtzeug - ein Traum!
4.) Aber vor allem wegen seines ewigen, lautstarken Fluchens, von dem pubertierende Jugendliche auch noch was lernen könnten...

Kerschi und ich wollten uns schon auf die Suche nach einem gemütlichen Café begeben, als Hans vermummt wie ein Hausbesetzer und nach drei Startabbrüchen endlich gelandet war.

Fliegen im Winter bei Minusgraden - wieso nicht?
Wie so oft nur eine Frage der richtigen Bekleidung...


Stubai-Cup 2002: 13.01.2002

Jegliche anfängliche Scheu vor Winterflügen abgelegt, riet mir mein Paragleit-Mentor Jörg, mir unbedingt mal das "Spektakel Stubai-Cup" anzusehen. Dutzende Hersteller, die ihre neuen Geräte zum Probeflug anboten; Zudem sollen sich alle wichtigen Leute der Szene hier Jahr für Jahr ein Stelldichein geben...

So beschlossen Hans und ich am Sonntag in aller Herrgottsfrüh den Weg über's deutsche Eck nach Kössen/Tirol zu düsen. Extra um 4.30 Uhr nach gut vier Stunden Schlaf aufgestanden und - Schneetreiben. Von Liezen bis Salzburg, na bravo...

Um etwa halb zehn trafen wir bei herrlichem Wetter am Neustifter Lande-Areal ein und gabelten Fasching Tom und Kerschi auf, die schon am Vortag nach Kössen gereist waren.
Sie berichteten noch etwas übernachtig von einer ausgelassenen Fliegerparty, die am Vortag im Ort gestiegen war...

Nach kurzem Gespräch mit den Advance-Piloten Martin Persch und Herbert Hackl sicherten sich Hans und ich gleich einen Omega 5 in der jeweils passenden Größe...
Tom und Kerschi flogen jeweils Testflügel von (Pro-Design). Kerschi durfte sogar das zur DHV-Homologisierung anstehende Modell des brandneuen Titan testfliegen - fast schon eine Ehre solch ein Unikat zu fliegen...

Wir entschieden uns für den windbegünstigten Elfer Kogel, während die anderen beiden GGLer sich einen Lee-Thermik-Flug vom Kreuzjoch erhofften.

Am Startplatz bereits ab 11 Uhr dichtes Gedränge, doch die geräumige Startschneise und einige Starthelfer machten einen halbwegs reibungslosen Startablauf möglich.

Es zeigte sich, dass auf den abschüssigen Pisten die Schirme allzugern von selbst in's Tal glitten, ...

...deswegen war die vorhandene Startkante umso wertvoller.

Am Boden hatten wir uns bzgl. des Start- und Flugverhaltens des Omega 5 einige Tipps geben lassen und so gestaltete sich der Start mir dem Advance-Hochleister (DHV 2-3) nicht wirklich zum Problem - schnell laufen halt; eigentlich wie immer...

Airborne.

Lautlos schnitt ich mit meinem Flügel die Luft entzwei und genoss das herrliche Alpen-Panorama. Bei den diversen Sicherheitsmanövern testete ich gleich mal Ohrenanlegen (echte BIG EARS!) und tastete mich an die ersten mickrigen Wingover-Versuche - ein wahrlich dynamischer Schirm...

Am Boden herrschte mächtig Landebetrieb - es ging fast so zu wie am Flughafen Frankfurt: In der Minute midestens zwei Piloten, die sich ein Plätzchen auf der halbwegs geräumigen Landewiese suchten.

Trotzdem lief alles praktisch wie geschmiert, zumindest was die Landungen abelangte...

Zu Mittag am Biertisch bei ein Paar Würstel gemütlich gemacht, ließen wir uns von den diversen Darbietungen der Firmen und Acro-Teams verblüffen.

 

Die "Renegades" aus Hallein/Salzburg boten ihr Können dar (Spezialität das eingehängte Teamfliegen à la "Red Baron" und ebenso eingehängte Bi-Spiralen)

Acro-König Mike Küng zog ebenfalls alle seine Register. Sats, männliche Wingover, Tumblings und sogar wunderschöne Helicopter waren zu bestaunen.

Ein echter Geiger vor dem Herrn...

Viedeos davon gibt's auf www.schlechtflieger.de

Mit Martin Persch fuhren wir dann nochmals zum Elfer rauf - schließlich hatten wir ja ne Tageskarte gelöst.

Mit dem Schlepplift ging's dann mit dem 20kg-Packerl am Rücken und auf der Lifttrasse laufend noch fast bis zum Gipfel rauf. *hechl*
Im Bild rechts sieht man "Acrominator" Markus Gründhammer, der mit den seinigen einen Präsentationsflug seiner neuen, eigenen Marke "Wings of Change" vorbereitet.

Kurzum meine Digicam in Persch Martins erfahrene Hände gelegt, damit dieser herrliche Aufnahmen von mir und meinem Test-Omega 5 vor der herrlichen Tiroler Kulisse machen konnte.

Martin selbst hat ja ausch schon ein kleines Arco-Repertoire, aus dem er natürlich auch an diesem Tag schöpfte: Sat und Bodenspirale gehören zu seinen Skills, die mich am meisten beeindruckt hatten.

Sicher das beste Foto meiner bisherigen Laufbahn...

Der Stubai-Cup ist ein echtes Mega-Szeneevent; dies kann ich nur bestätigen. Zum ersten Mal die echte Flieger-Community erleben, ohne menschlich abgehobene Stars. Alles Menschen wie Du und ich, die eben eines eint - die Lust am Fliegen.


Hauser Kaibling: 21.01.2002

Gleich eine Woche drauf stand das nächste neue Flugabenteuer an: der Hauser Kaibling. Hans hatte sich mittlerweile einen eigenen Omega 5 von einem damit verunfallten (!) Flieger besorgt - aber er war billig und Zitat:"sah echt cool aus" (gelb, schwarz)

Diesmal stapften wir zu viert Richtung Bergspitze: v.l.n.r Hans, Stani, Jörg und ich... (der hinter der Hofer-Cam, net der "Schaltafelrutscher" rechts im Bild - nona)

Der Wettergott Jäger hatte halbwegsen Wind aus westlicher Richtung vorausgesagt, was uns auf einen gemütlichen Soarer rund ums Gipfelkreuz hoffen ließ.

Das herrliche Gipfelpanorama mit dem Dachstein-Massiv im Hintergrund.

Ganz gespannt auf Hans' neuen Omega und sein Handling beobachteten wir seine ersten (etwas erfolglosen) Versuche den Flügel kontrolliert über sich zu halten.

Stani hingegen war mit seinem neongelben Pendant zu meinem Target 42 ausgerückt, und bewegte sich damit flugtechnisch auf bekanntem Terrain...

Jörg war der erste, der die steife Brise von ca. 15-25 km/h zu ersten Soaring-Versuchen nutzte.
Es war eben doch ein bisserl zu wenig Wind, um die Höhe zu halten. So glitten wir einer nach dem anderen mehr oder weniger schnell ins Tal.

Schenkt man den Behauptungen von Hans und Stani Glauben, so soll der Wind später aufgefrischt und ein genussvolles Gipfel-Soaring ermöglicht haben. Demnach scheint es doch hie und da ratsamer zu sein, mal etwas länger am Gipfel zu verharren, als überstürzt den Flug in's Tal zu anzutreten - wenn man überhaupt noch die Wahl hat... *g*

Schöckl: 02.02.2002

Warm wird's - aber noch wärmer ist's in der Untersteiermark. Also schnell mal runtergedüst und mal ein wenig in den Beginn der Frühjahrsthermik geschnuppert. Diesmal war eine richtige "Abordnung" der Gleitschirmgruppe Liezen am Start: Jörg, Chris Luiki, Stani (mit meinem Contest 42 am Start), Fasching Tom, Hans und ich.

Noch nie einen echten Thermikflug mit dem Target 42 absolviert, sollte es also nun so weit sein. Denn als wir gegen Mittag ankamen hielten sich die ersten Schirme bereits tadellos in den Lüften - heute wüdre es passen!

Nach der preislich angemessenen Auffahrt (ca. 5 Euro) mit der Seilbahn bot sich einem ein wahrhaft "erhebender" Ausblick.

Es war herrlich - meine ersten zaghaften Eindreh-Versuche wurden mit netten 0,5-1,5 m/s Steigen belohnt. Den Target im Winter schon gut kennengelernt, war das flache Drehen auch mit diesem "Kurvenfresser" kein Problem mehr...

In den Sonnenbrillen präsentierte sich die gespiegelte Frühjahrslandschaft nördlich von Graz mit ausgezeichneter Fernsicht...

Die maximalen Steigwerte an diesem Tag betrugen bereits 3.5 m/s - echt sehr ansprechend.

Mit Jörg kurbelte ich einige Zeit in denselben Bärten - ein netter Nebeneffekt dabei ist, dass man sich am Steigen des anderen immer etwas orientieren kann.

So gelang es mir hie und da auch meinen "Lehrmeister" auszukurbeln...

Stani - wie gesagt mit meinem Pro-Design Contest 42 unterwegs - vergaß die Trimmer festzuziehen und nach spektakulärem Start ("geht si da Zaun no aus?") ging es natürlich in speedigen 8ern ins Tal hinab statt hinauf *g*.

Der fast komplett abgeaperte Bergfuß bot neben scönem Anblick auch schon ideale, schlammfreie Landebedingungen.

Jörg zeigte vor der Landeeinteilung nochmal, was in ihm steckte und hielt das am Boden gebliebene Publikum mit ein paar Acro-Darbietungen in Atem...

...bevor er sanft auf der leicht abschüssigen Landeplattform aufsetzte.

Als nächster reihte sich der einige Zeit später gestartete Hans zur Landung ein.

Sein Advance Omega 5 ist in der Tat ein optischer Leckerbissen - vom dynamischen Flugverhalten ganz zu schweigen (siehe Bericht vom Stubai-Cup weiter oben...) *lechz*

Fast schon schulmäßig teilte er sich die Landung auf der hängenden Landebahn ein...

...und genau diese Abschüssigkeit machte Hans auch sehr zu schaffen - oder besser überhaupt nicht. Denn er unternahm genau NICHTS, um seinen Schirm vor der herannahenden Baumgrenze zum Landen zu bringen.

Wie gelähmt saß er in seinem Gurtzeug und hoffte, dass seine Gleitmaschine von selbst zu fliegen aufhörte - Fehlanzeige!
Und so glitt er hangparallel bis kurz vor die Bäume. Aufgesetzt, Schirm zu wenig angebremst und schon hatte sich die Kappe in den Baumkronen verfangen...

"Nix passiert!". Hans nicht, nur der Schirm hatte etwas abbekommen - aber nichts was Lupo von der Flugschule Skyclub Austria nicht wieder hinbekam...

Ein herrliche Aufnahme von Chris' Landung. Die abendliche Wintersonne färbte den Smog über Graz fast schon regenbogenfarben - fast posterverdächtig...

Der Schöckel ist ein echt "netter" Hügel unweit von Graz - aber leider auch der einzige in der Umgebung. Das schränkt das Flugerlebnis (für mich jedenfalls) ziemlich ein. Obwohl ich erst das erste Mal hier war, wurde mir nach gut 1.5 Stunden am selben "Berg" fast ein wenig fad - man kennt jeden Baum-Schlag und kann schon fast prognostizieren mit wievielen Metern es wo weggeht. *übertreib*
Nichtsdestotrotz mein ERSTER THERMIKFLUG und es macht riesen Spaß nach der stillen Winterzeit wieder mal etwas unruhigere Thermikluft zu schnuppern - und wer von hier aus erfolgreich auf Strecke geht, kann sich zu den besten im Genre zählen...


Bäck is airborn again:

Nach 2-jähriger Paragleit-Abstinenz hat sich mein erster Paragleit-Ziehvater Martin Urbscheit (aka "Bäck") heuer wieder dazu entschlossen, seinem alten Hobby wieder zu frönen. Mittlerweile hat sich jedoch der Spieß umgedreht: Nun kann ich ihm einige nützlich Etzes geben...

Es war ein gutes Gefühl Bäck nach zweieinhalb Jahren wieder in seinem Revier zu sehen. Er entschloss sich ebenfalls zum Kauf eines Pro-Design Target - aber eine Klasse größer, nämlich 44 (=L).

Ein gewisses Maß an "Lauffaulheit" beim Start verträgt dieser Schirm ganz gut, was unserem LKW-Fahrer aus Passion ziemlich entgegen kommt... *g*

So stellt auch der Start nicht wirklich ein Problem dar, sodass kurz darauf der leise Wintergleitflug über Liezen genossen werden kann...

 

In der wirklich wunderschönen, stabilen Winterluft ist ein Flug über die Heimatstadt doch immer wieder was Tolles - und wenn's nach Bäck ginge, bräuchte man ja "nix mehr zum Leben"...

Der Winter is ja die ideale Zeit um stressfreie Anfängerflüge durchzuführen, sieht man vom eiskalten Fahrtwind ab.
Aber auch der ist kein Problem für ihn, denn er hat ja stets seine "schwarze Trainingshose", Fleece-Pulli und Arbeitshandschuhe an! *g*


Riesneralm/Erlsberg: 22.02.2002

In der Früh noch brav zur Arbeit gefahren, rief mich unser Medizinstudent Tom gegen halb 9 in der Firma an, wie's denn mit einem kleinen Flug ausschaut. Das wäre der einzige flugtaugliche Tag für die nächste Zeit - ein richtiger Fulgfenstertag also...

Kurz überlegt, Wetterlage gecheckt, Zeitausgleich genommen und Richtung Riesneralm gejettet. Tom hatte ja was ganz feines bei sich im Rucksack - einen ProDesign-Vorführer namens "Poject" in gold-weiss, geliehen vom Parashop Steyr.
Meines Erachtens ja derzeit die geilste Design und Farb-Kombination überhaupt auf dem Gleitschirm-Markt...

Ich selbst hatte mir ein neues Gurtzeug (Airwave) zur Ansicht kommen lassen, da mir mein bisheriges WoodyValley etwas zu breit ist und weswegen ich bei härterer Thermik of nicht wirklich fest im Sattel saß...

Der 2-3er Hochleistungsflügel in der Startphase. Wie bei allen ProDesign-Schirmen ist der Start ein Kinderspiel.

Auch wenn Tom ein kleinwenig spät die Bremsen zog, hielt sich die Überschiess-Tendenz der Kappe absolut in Grenzen und es konnte problemlos gestartet werden...

Im Flug selbst ist es einen echte Wonne neben Tom mit seinem wunderbaren Project heruzufliegen - euch ist sicher schon die farbliche Abstimmung zu seinem SupAir-Gurtzeug aufgefallen...

apropos Gurtzeug:
Zum Airwave-Gurtzeug ist zu sagen, dass ich nie eine wirklich entspannte Sitzhaltung finden konnte, da die Sitzplatte stets zum Boden geneigt war. Dies mag zwar für ein Bauchmuskel-Workout recht nett sein, aber spätestens nach 15 Minuten Flug schreit auch bei Brad-Pitt-Typen (wie mir *ggg*) das Waschbrett nach Entspannung ;-)
Auch die Verstellmöglichkeiten bei diesem Sitzgurt hielten sich in Grenzen. Also weg damit! Denn wenn ich mir schon eine Nagelneues kaufe, dann muss es auch wie angegossen sitzen.
Mein altes WoodyValley fliegt mittlerweile Bäck, dem es von der Breite her auch viel besser passt...

Die Streckung von 5,56 und das schnittige Design verpassen dem Project eine echt rassige Optik...

So flogen Tom und ich an diesem Tag 2 Mal vom NO-Hang der Riesner und wir hatten dabei genug Gelegenheit unser Equipment zu testen...

Cool wie ich mittlerweile schon bin *g*, packe ich auch in der Steilspirale schon mal meine Kamera aus...

Da ich aber ohne Rettungsfallschirm unterwegs war, forderte ich natürlich keine Spitzen-Sinkwerte/Schräglage heraus...

Am frühen Nachmitag stießen wir dann noch zu Kerschbaumer Tom und machten noch ein Flügerl von seinem Hausberg, dem Erlsberg.
Das Gurtzeug getauscht, flog nun er mit meinen ?Name? und ich mit seinem "Skyline Smart Pro", das mir auf Anhieb wie angegossen passte, mir ein ausreichendes Sicherheitsgefühl gab und auch preislich noch interssant war.

Mit einem Gurtzeug dieser Type fliege ich seither und hatte damit auch mein schärfstes Flugerlebnis, seit Beginn meiner Paragleit-Karriere (siehe nächster Bericht!).
Unglaublich aber war: Dort "attakierte" ein Falke Tom's "Target", der offensichtlich in seinem Flugrevier unerwünscht war! Bis auf ein Rascheln der Kappe is aber nichts passiert - kein "Material- oder Mann-Defekt" also...

Alles in allem ein thermisch toter Tag auf der Riesner, der aber insgesamt 3 herrliche Genussflüge ermöglichte.


Gampersberger: 09.03.2002

Nachdem ich am 04.03. 2002 mein erstes Saison-Ziel bereits erreicht hatte (Gamper-Überhöhung; exakt: 1383m; Flugdauer 1 h 4 Min), gelang mir und Fliegerkollegen Tom Fasching der bisher atemberaubendste Flug meiner ganzen Paragleiter-Karriere: Ein Flug hoch über die Angern hinaus bis auf eine Höhe von 2465m; Dauer 3 h 1 Min!
Bei diesem Flug war alles dabei: Mut, Konzentration, Ausdauer aber vor allem eines: FASZINATION!
Also nun zur Chronologie eines perfekten Flugtages...

Die letzten zwei Tage vor besagtem Samstag hatte Süd-Föhn den südlich ausgerichteten Gamper-Hang vom Schnee nahezu befreit und vom Tal her war es bereits weitgehend trocken - trotzdem übernacht noch ausgiebig kalt: ideale Bedingungen für die erste Frühjahrsthermik also...
An diesem Tag ist es uns (das erste Mal überhaupt glaub ich *g*) gelungen, echt stressfrei an das geplante Flugvorhaben zu gehen. Mit von der Partie diesmal: Jörg Stieg, Christian Luiki und Thomas Fasching von den "erfahrenen Cracks" und Hans Stroitz, Sepp Gruber, Stani und ich in der "Intermediate-Klasse", sowie Bäck und Martin Griesser in der "Neueinsteiger/WannImmerErEinenSchirmBekommt-Liga"...

Nachdem wir allesamt beim ersten Flug abgesoffen waren, ging's gemütlich nochmal rauf zum Startplatz. Wenigstens habe ich mein neues Gurtzeug (Skyline Smart Pro) nach diesem Flug richtig einstellen können. *g*

Blies vorher schon ein laues Lüftchen den Starthang hoch, so fand die Windhose diesmal kaum noch den Weg Richtung Boden - "jetzt musste es wohl gehen" dachten Jörg und ich noch beim Hochgehen...
Hans und Tom wählten die besagte "Süd-Rinne" und soffen leider auch beim zweiten Versuch mehr oder weniger schnell ab. Nach haarigen Starts flogen Bäck und Martin raus - beide ohne Vario hatten sie keine echte Chance, die schwache Frühjahrsthermik auf Dauer zu nutzen...

Ich startete gegen 13.45 Uhr in die nächste Ablöse und wählte den Flug geradeaus Richtung Strommasten - ein schwacher aber zuverlässiger Thermikbringer, wie ich meine - im Gegensatz zu den Cracks, die ja allzeit nur auf die "Rinne" schwören...

Es war eine Rauferei! 0.5 bis max 1.3 m/s steigen und das in engen, leicht zerrissenen Ablösen, aber ich hielt mich - ALS EINZIGER! Ich sah die Jungs unten am Landeplatz in kleinen Grupen stehen - offensichtlich begutachtend, was der Newbie Lex da in den Himmel zaubert...

Die Sonne zog gegen Westen - das Tal war noch besser aufgeheizt und die Thermik wurde minimal besser. So kurbelte ich fast eine halbe Stunde Meter für Meter über Stani, der in der Preinschberger-Wiese unter mir gelandet war.

Meiner Meinung nach ist die Thermik zu dieser Jahreszeit in der Süd-West-Rinne noch zu unergiebig, um IN der Rinne einzusteigen und hochzukommen - man muss definitiv 10-20 m darüber einsteigen, um eine halbwegse Chance zu haben...
So blieb ich in den Mini-Bärtchen bis ich einmal ein paar Heber für einen Flug Richtung Rinne nutzen konnte - "JETZT ODER NIE" hieß es nun...
...und tatsächlich: Ein absolut enger aber dafür halbwegs verlässlicher Thermik-Schlauch stand minimal nach Nordost versetzt von der Rinne herauf. Im Augenwinkel meine Fliegerkollegen betrachtend, wie sie zu ihrem dritten Versuch aufbrachen, kratzte ich mich der Waldgrenze entlang in S-Schleifen hoch bis zum Bergrücken - geschafft! - "Viel mehr wird heut wahrscheinlich net drin sein", dachte ich mir und so graste ich 200 m über den Köpfen der anderen Vereinsjünger den Kamm ab - super Gelegenheit, die verschiedenen Eindrehmöglichkeiten ausgiebig zu testen, denn die Thermik war nur minmal besser, dafür aber konstanter.

Ich entsann mich der stets guten Ratschläge meines Arbeits- und Fliegerkollegen Jörg, der mir nach meinem letzten Flug erzählt hatte, weiter ostlich stehe ein verlässlicher Bart. Wieder ein Baumschlag, süd-westlich ausgerichtet, Sonne strahlt direkt ein - müsste eigentlich gehen.
Eine Zitterpartie bis dort hin, war ich doch beim Entschluss dorthin zu fliegen (ca. nach 1 h Flugzeit) grademal ca. 50-70 m über dem Zielpunkt und das zu überfliegende Gebiet war schon teilweise abgeschattet - und so war es auch: hinterm Gamper: nichts, über der roten Wand: nichts und so kam ich in Baumhöhe bei dem Schlag an - eine markante Optik bot sich mir und ich machte mich auf einen härteren Thermik-Einsieg bereit - und es kam wie erwartet: Der Stall-Alarm (-3.5m/s) schlug an und ich wusste, jetzt ist die Zeit des Genussfliegens vorbei...

Es beamte mich mit zerrissenen 2-2.5 m/s auf eine Höhe von ca. 1600m. Der Target vermittelte mir jedoch jederzeit ein sicheres Gefühl - genauso wie mein nagelneues Gurtzeug.

Ich konnte mich also fast die ganze Zeit auf das beste Kurbeln im Bart konzentrieren - ohne immer die Kappe stabilisieren zu müssen - für einen 4 Jahre alten Flügel ein traum Flugverhalten!

 

In dieser Höhe wurde es doch wesentlich ruhiger und so zückte ich zum ersten Mal meine Hofer-DigiCam, mit der all diese Bilder entstanden. Cool, wie ich mittlerweile bin *g*, kurbelte ich lässig: in der einen Hand die beiden Steuergriffe, in der anderen Hand se.camera.

Es war ein Pracht-Tag. Zwar etwas diesig aber trotzdem gute Fernsicht, wie das erste Bild ganz oben Richtung Westen (Grimming, Dachstein, Tausing) zeigt. Das Panorama ist übrigens auch in meiner Sonnenbrille gespiegelt - und das ist kein Zufall... ;-)
Echte Foto-Professionalität in 1600m Höhe - lol!

Ich kreiste lang in dieser Höhe, denn ich hatte den Eindruck, ich war bereits an der Inversion angelangt, also höher geht's heut sowieso nimmer. Aufgrund der Blauthermik und dem Ausbleiben von Wolkenformationen konnte man dies aber praktisch nicht feststellen.

Blick auf Liezen. Ganz links unten sieht man noch das Ende unseres Hausberg-Startplatzes. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man Bäck mit seinem gelben Target und Tommit seinem Nova Focusnoch um den Anschluss kämpfend.
Von einem solchen Anblick träumt jeder lokal ansässige Pilot, der 6 Monate winterbedingte Thermik-Abstinenz hinter sich hat...
...deswegen extra großes Pic!

Ich spielte mich noch einige Zeit mit dem Schirmhandling und genoss dabei voll das sich mir bietende Panorama - alles da! Nur Geographie-Banause, der ich (derzeit noch) bin, kannte ich grad mal ein Viertel der sich mir präsentierenden Fromationen *schandeübermich*.
Und dann geschah das wunderbarste Erlebnis des gesamten Fluges: Ein Steinadler stieg mit mir in die Thermik ein. Doch im Gegensatz zu Tom´s Erlsberg-Flug hatte dieser keine feindlichen Absichten. So kreisten wir friedlich Flügel an Flügel, bis er mich nach ca. 5 Minuten ausgekurbelt, sein Ego befriedigt und wieder zur Landung angesetzt hatte.

Beim Gedanken daran, schießt mir heute noch ein gewaltiges Maß an Euphorie in alle Glieder - Wo hat man sonst noch solche Erlebnisse? Klingt jetzt kitschig, aber ich war einfach nur dankbar das alles erleben zu dürfen...

Und was passierte bei meinem vorherigen ersten Kurbelhang? Da drehte ein Kollege auf! Super - noch einer hat´s geschafft! Rein ins Speed-System und rüber zu Tom, den ich erst auf halber Strecke identifizieren konnte - war zuerst der Meinung Jörg hat´s gepackt...

Er zog ausgesprochen konstante Kreise und krubelte brav in der schwachen Thermik (ca. 1.5 h nach meinem Start). Oft etwas unzufrieden mit seinem Nova Focus (zu wenig Speed zum Streckenfliegen), erwies er ihm doch heute ausgesprochen wertvolle Dienste...

Stabilo an Stabilo kurbelten wir so eine viertel Stunde bis auf etwa1850m. Der Eifer war natürlich da, höher zu kommen als Tom....

Als die Thermik nicht mehr besser wurde, nahm ich mir ein Herz und beschloss zurück Richtung Norden an die Flanken der Angern zu fliegen. Ich rechnete mir gute Chancen aus, dort etwas zu erwischen, da die Felsvorsprünge teilweise schon gut abgeapert waren. Ich sah dort genug Schluchten, die gute Aufwindkanäle sein könnten. Während der Plateauquerung verlor ich mehr an Höhe als ich gedacht hatte und erreichte ich meinen nächsten "Wegpunkt" nur ca. 200 m über dem Bergfuss.

In Felsennähe merkte ich bald, dass die untertags aufgeheizten Felsen genug Wärme abstrahlten, um mir den nötigen Auftrieb zu geben. Ich krazte die Bergkonturen mit jeweils ca. 15-20 m horizontalem Abstand ab, immer auf der Hut vor Hebern, die mich Richtung Felsenwand drücken könnten...

In S-Schleifen machte ich so Meter für Meter gut (Steigen: 1-2.5 m/s). Tom erspähte meine nicht ohne Erfolg bleibenden Versuche und setzte Ebenfalls Kurs auf die Angern.

Weiter oben fällt die Bergkette etwas flacher ab und ich noch immer am Thermik-Kratzen neben den Felsen. Hier erlebte ich die nächsten Euphorie-Schübe - ich kam mir fast vor, wie in einer Alpen-Doku in Fernsehen: Accurrat unter mir löste sich eine kleine Lawine und stürzte ins Tal, eine Schar Berggemse sprang zwischen den Schneefeldern hin und her - und das alles während ich in einem satten Bart kurbelte.
Wieder das Gefühl von unendlicher Dankbarkeit, das alles Erleben zu dürfen...

Als mich der weit später eingestiegene Tom in einem offensichtlich noch beseren Bart bereits ausgekurbelt hatte. Flog ich ebenfalls zu der für mich neuen Schlucht, die ich aus Respekt vor deren gewaltiger Kontur anfangs gemieden hatte. Schroffer Fels, über 200m kerzengerade hoch, aper und sonnenbestrahlt - nichts für Kinder...

Doch ich sah, dass Tom in dieser Thermik kaum zu tun hatte, und so klinkte ich mich nach etwas bockigem Einstieg in den 3.2 m-Bart ein.
Dabei wurde mir ein Fehler bewusst: Ich kratzte die ganze Zeit am Berghang, doch aufgrund der praktischen Windstille stand die Thermik - genau so wie die Orographie - kerzengerade hoch! Für's nächste Mal dazugelernt...
Bild: Blick Richtung ONO auf den Bosruck (1992m) undie dahinter liegenden Haller Mauern: v.l.n.r. Gr. Pyhrgas (2244m), Kl. Pyhrgas (2023m), Hochturm (1926m) und Hexenturm (2172m); die "kleineren Hügel" südlich davon: Plesch- und Frauenberg; noch weiter süd-ostlich Gesäuse-Eingang mit Reichenstein (2251m) und Hochtor (2369m).

Nach über 2.5 h Flug machte sich dann ein gewisser Druck auf der Blase bemerkbar. Mit Tom hielt ich mich dann einige Zeit knapp unter 2500m (ca. 450m über dem zweit höchsten Berggipfel der Angern, dem Nazogl auf 2057m - kein Berg in Sicht, den wir zu noch mehr Höhe nutzen konnten.

Der Drang wurde auch nicht weniger und so beschloss ich zum Landeplatz zu fliegen. In knapp 1800 Meter überquerte ich unseren Startplatz und zog geradewegs raus Richtung Tennishalle...
Das erste Mal genug Höhe für einige DHV-Tests und ein kleines Newbie-Acroprogramm (Wingover und Steilspiralen Ende nie) für's Liezener Stadtvolk.

Hier noch ein Bilck auf Enns- (Admont) und Paltental (Selzthal, Rottenmann).

50 m über dem Grund wehte uns von Nord-Ost wieder mal ein kräftiger und turbulenter Pyhrn-Wind um die Ohren, der mindestens 35 km/h haben musste, denn Tom und ich waren gezwungen mit Rückwärtsfahrt zu landen.

Um Punkt 16.45 Uhr waren wir wieder heil am Boden angekommen, wo uns Bäck und ein paar CCL-Jünger fast schon unterkühlt erwarteten.
Ich war erleichtert und meine Blase wenig später auch *g*.

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